Sakkara (Teil 3) – Weitere bedeutende Grabanlagen in Sakkara-Nord
Sakkara ist eine solch bedeutende, weitläufige und umfangreiche Totenstadt, dass die Aufenthaltszeit der meisten Reisenden nicht ausreicht, um alle Denkmäler zu besichtigen und entsprechend zu würdigen. Aus der enormen Vielzahl der Grabkomplexe und Monumente seien einige wichtige Beispiele herausgegriffen, die in der Regel auch für Touristen geöffnet sind und besichtigt werden können. Es muss aber darauf hingewiesen werden, dass dies nur eine kleine Auswahl ist. Da Sakkara-Süd in der Regel nicht betreten werden darf, beschränken wir uns auf das Gebiet von Sakkara-Nord, das ohnehin den meisten Gästen als Sakkara schlechthin vorgestellt wird.
Die Mastaba des Ti (5. Dynastie, um 2400 v. Chr.)
Um 1860 wurde von Auguste Mariette bei seinen Ausgrabungen in der Nähe des Serapeums eine Mastaba entdeckt und freigelegt, die durch ihre qualitätsvolle Dekoration und ihr Bildprogramm hervorsticht und so zu einiger Berühmtheit gelangt ist. Es handelt sich um das Grab eines hohen Beamten namens Ti. Er war Hofbeamter und Verwalter der Pyramiden des Niuserre und Neferirkare in Abusir, sowie Verwalter der Sonnenheiligtümer des Sahure, Niuserre und Neferirkare. Obwohl also sein Dienstbereich in Abusir lag, ließ er sich in Sakkara bestatten.
Durch einen Eingang mit zwei Säulen gelangt der Besucher in einen offenen Hof, der von einem Rundgang mit Pfeilersäulen umgeben ist. An der Nordseite des Hofumgangs befindet sich eine Öffnung, durch die man ins sogenannte Serdab gucken kann. Ein Serdab (arabisch für „Keller“) ist ein Raum, in dem eine oder mehrere Statuen des Verstorbenen standen, die der Besucher nur durch einen Schlitz in der Wand sehen kann und die dem Totenkult dienten. Nach Süden führt ein schmaler Korridor (mit einer interessanten Scheintür an der Westwand), von dem eine Seitenkammer abzweigt, zur eigentlichen Grabkapelle mit zwei Pfeilersäulen. Auch hier sind an der Westwand zwei Scheintüren herausgearbeitet. An der Südwand gibt es drei Gucklöcher bzw. Sehschlitze, die wiederum Einblick in ein weiteres Serdab geben. An der Nordwand der Grabkapelle ist ein berühmtes Relief zu bewundern, das den Grabherren auf Bootsfahrt im Papyrusdickicht zeigt. Von der Mitte des offenen Säulenhofes führt ein Gang in den unterirdischen Bereich des Grabes mit der Grabkammer.
Die Mastaba des Ptahhotep und Achethotep (5. Dynastie, um 2350 v. Chr.)
Ebenso sehenswert ist die Doppelmastaba des Ptahhotep und seines Vaters Achethotep. Durch den Eingang und das schmale Vestibül gelangt man ins Zentrum der Mastaba: eine große Kammer mit vier Säulenpfeilern. Von dort zweigt eine kleinere Raumgruppe zum Kultbereich des Sohnes Ptahhotep und eine größere Raumgruppe zum Kultbereich des Vaters ab. Von hoher Qualität sind nicht nur die fabelhaften Wandreliefs sondern auch die Scheintüren, von denen es zwei kleinere in der Opferkammer des Ptahhotep und eine große in der Opferkammer des Achethotep gibt. Die erste der beiden Scheintüren des Pathhotep imitiert eine Palastfassade. Ptahhotep war Wesir und Hoher Richter sowie Priestervorsteher im Pyramidenbezirk des Mykerinos in Giza, der Pyramide des Djedkare Asosi in Sakkara-Süd und der Pyramide des Niuserre in Abusir. Sein Vater hatte dieselben Ämter, die wohl vom Vater auf den Sohn übergingen, war aber auch noch Vorsteher der Pyramidenstadt.
Die Mastaba des Mereruka (6. Dynastie, um 2300 v. Chr.)
Besonders berühmt ist die Mastaba des Mereruka. Er war nicht nur Wesir, Hoher Richter und Priestervorsteher im Pyramidenbezirk des Teti, sondern auch mit einer Tochter des Königs verheiratet. Mit 32 Kammern ist das Grab des Mereruka die umfangreichste, private Grabanlage des Alten Reiches, die bisher gefunden wurde. Die Anlage ist nicht nur für ihn bestimmt gewesen. Es gibt auch einen abgetrennten Bereich für seine Gemahlin, zu dem eine Tür links hinter dem Mastabeingang abzweigt, und einen kleinen Bereich für seinen Sohn am Ende des Gang- und Kammerkomplexes. Der Hauptteil war für Mereruka bestimmt. Größter Raum der ganzen Anlage ist die Opferkultkammer mit sechs Säulenpfeilern. Hier gibt es eine erhöhte Wandnische, aus welcher der Grabherr als Statue plastisch hervortritt.
Die Mastaba des Kagemni (6. Dynastie, um 2300 v. Chr.)
Neben der Mastaba des Mereruka liegt die große Mastaba des Kagemni. Er war Wesir, Hoher Richter, Priestervorsteher und Verwalter an der Pyramide des Teti. Die Grabanlage wurde schon 1843 von der preußischen Ägyptenexpedition unter Lepsius entdeckt. Die herrlichen Wandreliefs zeigen zum Teil noch die Originalfarben. Dargestellt sind die typischen Themen wie Landwirtschaft, Jagd und Fischfang sowie die üblichen Totenopferszenen.
Weitere wichtige Gräber in Sakkara
Von den unzähligen Mastabas und Felsgräbern in der Nekropole von Sakkara-Nord sind die meisten geschlossen. Es lohnt sich jedoch, sich am Ticket-Office zu erkundigen, ob und welche wieder für Touristen geöffnet sind. Sehenswerte Gräber sind, neben den bereits besprochenen, die Mastaba des Nianchchnum und Chnumhotep (5. Dynastie), die Mastaba des Mehu (6. Dynastie), das Grab des Chenu (6. Dynastie), das Grab des Nefer (5. Dynastie) mit seinen noch zum Teil erhaltenen Farbdekorationen und das ebenso farbig dekorierte Schachtgrab des Irukaptah (5. Dynastie).
Die Pyramide des Unas (5. Dynastie, um 2340 v. Chr.)
Von den Pyramiden in Sakkara gibt es zwei, die für Touristen häufig geöffnet sind und somit auch von Innen besichtigt werden können. Es handelt sich um die Pyramiden des Unas am Südostende des Djoserkomplexes und um die Pyramide des Teti weiter östlich von der Djoserpyramide neben den Mastabas des Mereruka und Kagemni. Beide Pyramiden sind stark zerstört und sehen von außen wie unscheinbare Hügel aus. Dennoch sind sie in ihrem Innern gut erhalten und haben, im Gegensatz zu den Pyramiden von Giza, Inschriften in ihren Kammern. Hier sind die berühmten Pyramidentexte aufgezeichnet, die heiligen Texte, welche die Verbindungen Pharaos mit der Götterwelt und den Aufstieg des Königs in den Himmel erhellen.
Unas war der letzte Pharao der 5. Dynastie. Während die meisten anderen Könige derselben Dynastie sich in Abusir ihr Grabmahl bauen ließen, kehrte Unas wieder zur alten Nekropole von Sakkara zurück. Er ist der erste (und einzige der 5. Dynastie), der seine Grabkammern mit Hieroglyphentexten beschriften ließ. Seine Pyramide ist recht klein. Ursprünglich hatte sie eine Höhe von 43 Metern und eine Basislänge von rund 58 Metern. Von seiner Pyramidenanlage mit Totentempel führt ein beinahe 700 Meter langer Aufweg zum Taltempel, der heute allerdings sehr stark zerstört ist.
Eine interessante Inschrift des Prinzen Chaemwese aus der 19. Dynastie an der Pyramide berichtet, wie der Königssohn im Auftrag seines Vaters die Pyramide restauriert habe.
Die Pyramide des Teti (6. Dynastie)
Neben den berühmten Mastabas von Mereruka und Kagemni steht die Pyramide des Königs Teti. Auch sie ist wie die Unaspyramide stark zerstört, nachdem sie im Mittelalter ihrer äußeren Hülle und Kalksteinverkleidung beraubt wurde, und mutet wie ein Schutthügel an. Dennoch sind auch hier die Gänge und Kammern im Innern der Pyramide gut erhalten. Ursprünglich war sie 53 Meter hoch und hatte eine Basislänge von 79 Metern. Auch in ihrem Innern sind die Kammern mit Hieroglypheninschriften dekoriert, bei denen es sich wieder um Pyramidentexte handelt.
Auswahl weiterführender Literatur:
- Aldred, Cyril, Egypt to the end of the Old Kingdom, London 1965.
- Edwards, I.E.S., The Pyramids of Egypt, London 1972.
- Jánosi, Peter, Die Gräberwelt der Pyramidenzeit, Mainz 2006.
- Lauer, Jean-Philippe Lauer, Die Königsgräber von Memphis, Bergisch Gladbach1988.
- Lehner, Mark, The Complete Pyramids, London 1997.
- Schüssler, Karl-Heinz, Die ägyptischen Pyramiden: Erforschung, Baugeschichte und Bedeutung, Köln 1987.
- Siliotti, Alberto und Zahi Hawass, Ägyptische Pyramiden – Monumente für die Ewigkeit, Köln 2004.
- Stadelmann, Rainer, Die ägyptischen Pyramiden: vom Ziegelbau zum Weltwunder, Mainz 1991.
- Verner, Miroslav, Die Pyramiden, Reinbek 1999.
Autor dieses Artikels: Mirco Hüneburg
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