Sakkara (Teil 1) – Überblick über die Nekropole von Sakkara
Neben dem Tal der Könige und dem Pyramidenplateau von Giza (Gizeh) ist das weite Nekropolengebiet von Sakkara (Saqqara) die bedeutendste Totenstadt aus dem alten Ägypten und einer der wichtigsten, archäologischen Fundorte des Landes. Der Name Sakkara leitet sich vermutlich ursprünglich vom ägyptischen Gott Sokar ab, einem archaischen Totengott und Lokalgott der Region westlich der alten Residenzstadt und Reichsmetropole Memphis. Von Kairo aus gesehen, ist der Besuch von Sakkara mitsamt Anfahrt und Besichtigung ein voller Tagesausflug. Von Kairo aus gesehen, sind es etwa 20 bis 25 Kilometer Entfernung, von Giza etwa 15 Kilometer.
Über zwei Hauptgebiete (Sakkara-Süd und Sakkara-Nord) erstreckt sich ein riesiges Freilichtmuseum aus Grabanlagen, Mastabas, Pyramiden (12 davon sind königliche Pyramiden aus dem Alten und Mittleren Reich), Katakomben und Totentempeln. Rund 3000 Jahre lang war Sakkara eine der bedeutendsten Stätten für den Totenkult bzw. für die Grablegung und Verehrung hoher Verstorbener. Zahlreiche Könige ließen sich hier bestatten.
In Sakkara-Nord befinden sich Gräber aus unterschiedlichsten Epochen, von der ägyptischen Frühzeit (1. und 2. Dynastie, etwa 3100-2700 v. Chr.) bis zur Zeit der persischen Herrschaft (5. und 4. Jahrhundert v. Chr.). Außerdem liegen direkt neben den Gräberfeldern der Pharaonenzeit die Ruinen eines bedeutenden koptischen Klosters. Ein eigens für Sakkara errichtetes Museum beherbergt eine hervorragende Auswahl wichtiger, archäologischer Funde aus dem Grabungsgebiet. Auch wenn die meisten Gräber in Sakkara aus konservatorischen Gründen für den Tourismus geschlossen sind und nur von außen bestaunt werden dürfen, so gibt es allerdings einige Highlights unter den Pyramiden und Gräbern, die für die Besucher aus aller Welt geöffnet sind und zum Teil auch von innen besichtigt werden können. Trotz des großen Besucherandranges ist dies auch gegen Denkmalschutzbedenken vertretbar, weil wegen der enormen Vielzahl sehenswerter Anlagen die Zeit vieler Gäste ohnehin nicht ausreichen würde, um alle Grabmäler in Sakkara durch eine eingehende Besichtigung entsprechend zu würdigen, so dass sich der Touristenstrom verteilt.
Wir werden in diesem Reiseführer einen kleinen Überblick geben (Sakkara Teil 1), dann den berühmten Pyramidenkomplex des Djoser besprechen (Sakkara Teil 2) und schließlich einige weitere ausgewählte Pyramiden und Mastabas vorstellen (Sakkara Teil 3). Reisende sollten nach Möglichkeit ihre Besichtungstour mit dem Besuch des Museums in der Nähe des Ticketoffices beginnen, um einen Überblick über das Gebiet und die Geschichte von Sakkara zu erhalten und eine inhaltliche Einführung in die Bedeutung der Nekropole zu bekommen. Modelle und Erklärungstafeln führen die Gäste behutsam in die Geschichte der Totenstadt und in die nicht minder spannende Geschichte ihrer Entdeckungen und Ausgrabungen ein.
Ganz im Norden der rund 8 Kilometer langen und etwa 2 Kilometer breiten Nekropole liegen die uralten Gräber und Mastabas aus den ersten beiden Dynastien. Ihre Erforschung gab Aufschluss über die Entwicklung sowohl der königlichen als auch der nicht-königlichen Gräber, von den Vorformen der Frühzeit bis zur Entstehung der Mastabaform, wie sie im Alten Reich fortgesetzt wurde. Bei vielen Mastabas ist man sich nicht sicher, ob es sich tatsächlich um königliche Gräber handelt oder um Kenotaphe, das heißt Scheingräber, denn viele frühdynastische Könige hatten sich zusätzlich weitere Grabanlagen in der oberägyptischen Nekropole von Abydos anlegen lassen. Bei einigen Gräbern ist es zudem unklar, ob es sich um ein Königsgrab oder um das Grab eines Angehörigen oder hohen Amtsträgers des jeweiligen Königs handelt. In der Regel sind diese frühdynastischen Gräber nicht dem touristischen Publikum zugänglich. Westlich der frühdynastischen Gräber gibt es Katakomben für Tiermumien, lange Galerien, in denen heilige Ibisse und Paviane bestattet wurden.
Im Zentrum von Sakkara-Nord liegen der berühmte Pyramidenkomplex des Königs Djoser Netjerichet (3. Dynastie), dem ältesten monumentalen Steinbau Ägyptens, sowie die Pyramidenanlagen der Pharaonen Userkaf und Unas (5. Dynastie) und des Teti (6. Dynastie). Südöstlich der Djoserpyramide wurde noch ein weiterer Pyramidenkomplex aus der 3. Dynastie entdeckt, der aber so stark zerstört ist (und vermutlich niemals fertig gestellt worden war), dass Laien kaum noch etwa erkennen können. Es handelt sich hierbei um die Stufenpyramidenanlage des Königs Sechemchet, die 1954 von dem ägyptischen Archäologen Zarkaya Ghoneim entdeckt wurde. Überhaupt ist die Totenstadt von Sakkara so weitläufig, dass viele Archäologen davon ausgehen, noch weit mehr Gräber finden zu können.
Südlich des Unas-Komplexes wurden vor einigen Jahrzehnten Gräber hoher Amts- und Würdenträger entdeckt. Darunter auch das mit wunderschönen Reliefs dekorierte Grab des Generals Haremhab (18. Dynastie), der später Pharao wurde und sich ein neues Grab im Tal der Könige bei Luxor anlegen ließ. Außerdem wurden nah der Südflanke der Unas-Pyramide zahlreiche eigentümliche Schachtgräber aus der Spätzeit entdeckt. Sie werden in der Fachliteratur als Persergräber bezeichnet, stammen aber vermutlich eher aus der 26. Dynastie.
Ganz im Westen von Sakkara-Nord liegt das berühmte Serapeum, ein Komplex aus Katakomben und Ganggalerien, in dem hauptsächlich von der Spätzeit bis zur Ptolemäerzeit, also vom siebenten bis ersten Jahrhundert v. Chr., die mumifizierten Körper heiliger Stiere beigesetzt wurden. Bei diesen Stieren handelte es sich um ausgewählte Tiere, die als Verkörperungen des Gottes Apis verehrt wurden und in ausgewählten heiligen Stallungen gehalten wurden. Nach ihrem Tode wurden sie wie Menschen mumifiziert, einbalsamiert und in Sarkophagen bestattet. Die steinernen Stiersarkophage waren entsprechend der Größe der Tiere recht monumental und wogen bis zu 70 Tonnen. Die Anlagen des Serapeums wurden im 18. Jahrhundert vom französischen Forschungsreisenden Paul Lucas entdeckt und im 19. Jahrhundert von Auguste Mariette wiederentdeckt.
Im Osten von Sakkara-Nord liegen noch die bedeutenden Ruinen des koptischen Klosters vom Heilligen Jeremias. Im 5. Jahrhundert gegründet, wurde das Kloster im 10. Jahrhundert schon wieder zerstört. Die Ruinen des Klosters mussten wegen des Grades der Zerstörung genauso archäologisch erforscht werden, wie die wesentlich älteren Ruinen der umliegenden pharaonischen Denkmäler. Zahlreiche Bauteile und Kunstwerke, die bei diesen Grabungen zum Vorschein kamen, sind heute im Koptischen Museum von Kairo zu besichtigen. Das Kloster umfasst neben den Alltagsgebäuden der Mönche noch zwei Kirchen.
Das Pyramidengebiet von Sakkara-Süd liegt etwa 7 Kilometer weiter südlich. Hier stehen neben der großen, königlichen sargförmigen Mastaba von Pharao Schepseskaf (4. Dynastie) wichtige Pyramidenanlagen verschiedener Dynastien, und zwar aus der 5. Dynastie (Djedkare-Asosi), der 6. Dynastie (Pepi I., Merenre I., Pepi II.), der 8. Dynastie (Ibi) und der 13. Dynastie (Chendjer und ein unbekannter Pharao). Leider sind viele Denkmäler von Sakkara-Süd den Touristen nur mit Sondergenehmigung und Geländewagen zugänglich, weshalb dieser Bereich nur selten von Besichtigungsgruppen frequentiert wird. Der Besucherstrom konzentriert sich auf Sakkara-Nord und speziell den Djoser-Komplex.
Routenempfehlung für Tagesausflügler:
Nach Besichtigung des Museums empfiehlt sich die direkte Fahrt zum Djoserkomplex und Besichtigung der Anlagen dieses Königs (siehe Sakkara Teil 2). Anschließend, falls geöffnet, lohnt sich die Besichtigung der Unas-Pyramide und nah gelegener Gräber, dann die Fortsetzung der Sakkara-Besichtigung am Teti-Komplex (Besichtigung der Teti-Pyramide und der Gräber des Mereruka und des Kagemni). Falls noch Zeit ist, kann man sich in den Bereich nordwestlich des Djoserkomplexes begeben und dort die Gräber des Ti, Ptahhotep, Achethotep und das Serapeum anschauen.
Auswahl weiterführender Literatur:
- Aldred, Cyril, Egypt to the end of the Old Kingdom, London 1965.
- Edwards, I.E.S., The Pyramids of Egypt, London 1972.
- Jánosi, Peter, Die Gräberwelt der Pyramidenzeit, Mainz 2006.
- Lauer, Jean-Philippe Lauer, Saqqara: Die Königsgräber von Memphis, Bergisch Gladbach1988.
- Lehner, Mark, The Complete Pyramids, London 1997.
- Schüssler, Karl-Heinz, Die ägyptischen Pyramiden: Erforschung, Baugeschichte und Bedeutung, Köln 1987.
- Siliotti, Alberto und Zahi Hawass, Ägyptische Pyramiden – Monumente für die Ewigkeit, Köln 2004.
- Stadelmann, Rainer, Die ägyptischen Pyramiden: vom Ziegelbau zum Weltwunder, Mainz 1991.
- Verner, Miroslav, Die Pyramiden, Reinbek 1999.
Autor dieses Artikels: Mirco Hüneburg
