Giza (Teil 4) – Weitere Bauten und Grabanlagen in der Nekropole von Giza
Neben den Pyramiden mit ihren Totentempeln, Taltempeln, Satellitenpyramiden, Bootsgrüften und der Sphinx gibt es noch zahlreiche andere Baudenkmäler in Giza. Es handelt sich dabei größtenteils um Gräber hoher Amtsträger und Mitglieder der königlichen Familie. Im Gegensatz zu den drei Hauptpyramiden von Giza sind die vielen kleinen Gräber oft mit Texten und sehenswerten Wandbildern und Reliefs dekoriert. Nur einige wenige Gräber seien hier kurz vorgestellt. Die meisten Gräber sind nämlich geschlossen und für Touristen nicht zugänglich. Um zu erfahren, welche der Gräber für den Besucher geöffnet sind und welche gerade geschlossen, ist es sinnvoll, sich vorher am Ticketoffice zu erkundigen. Zur Orientierung sind die Grab-Kennnummern hilfreich, da sich die vielen Mastabas und Gräber von außen sehr gleichen und von dem Laien nur schwer auseinanderzuhalten sind. Hilfreich sind hierbei ortskundige Führer, die aber nicht ohne Bakschisch arbeiten.
Die meisten Mastabas bestehen aus einem einfachen, rechteckigen Oberbau mit Kulträumen oder Opferkapelle und aus einem unterirdischen Grabschacht mit Sargkammer. Der obere Bereich, der in der Regel zugänglich war, war für den Opferkult bestimmt, der untere, der verschlossen wurde, war Ort der Bestattung. Ein wichtiger Bestandteil der Opferkammer war die sogenannte Scheintür, die meist nach Westen ausgerichtet war, weil man dort das Totenreich glaubte. Auf der Scheintür sieht man neben den Opferformeln und Titulaturen des Grabinhabers auch ein Bild, das den Toten sitzend vor einem Speise- bzw. Opfertisch zeigt. Die Scheintür sollte vermutlich eine Verbindungstür zwischen Diesseits und Jenseits darstellen, durch die der Tote hinaustreten konnte, um die Opfergaben zu empfangen.
Die Nähe der Gräber zur Pyramide des jeweiligen Königs unterstreicht die gesellschaftliche Position des Grabinhabers. So waren die meisten Beamten entweder im Palast des Königs oder im königlichen Kult des Totentempels beschäftigt. Je höher Amt und Würde, desto größer durfte ihr Grab sein.
Zahlreiche Funde aus dem Friedhof und Pyramidengebiet von Giza sind heute im Ägyptischen Museum in Kairo ausgestellt.
Mastaba-Grab des Qar (6. Dynastie, um 2280 v. Chr., Grab-Kennnummer: G 7101)
Rund 100 Meter östlich der Cheopspyramide, zwischen den großen Mastaba-Gräbern und dem Aufweg der Cheopsanlage, liegen die zwei kleinen Gräber des Qar und des Idu. Beide Gräber sind häufig geöffnet und somit dem touristischen Publikum zugänglich. Das Grab des Qar wurde durch die Medien bekannt, als der Chef der ägyptischen Altertümerverwaltung, Zahi Hawass, begleitet von Fernsehteams, den US-amerikanischen Präsidenten Barack Obama durch die Mastaba führte. Qar war Oberhaupt der Pyramide von Pepi I. und Oberaufseher der Pyramidenstadt des Cheops und Chephren. Er lebte zur Zeit der 6. Dynastie. Seine Aufgabe bestand darin, den Totenkult der alten Pharaonen in den Totentempeln des Cheops, Chephren und Pepi II. fortzusetzen und zu beaufsichtigen und dafür zu sorgen, dass die entsprechenden Totenopfer und Rituale eingehalten werden. Das Besondere an dieser Grabanlage ist die Reihe von Statuen, die den toten Grabinhaber zeigen.
Mastaba-Grab des Idu (6.Dynastie, um 2260 v. Chr., Grab-Kennnummer: G 7530)
Das grab des Idu liegt neben dem Grab des Qar. Idu war vermutlich Qars Sohn. Er war „Schreiber der königlichen Dokumente in Anwesenheit des Königs“ – also des Königs persönlicher Sekretär. Das Grab ist sehr klein und besteht im Wesentlichen aus einer Vorhalle und einer schmalen Opferkapelle bzw. Kultkammer. In der Opferkapelle fallen wieder die Statuenreihen auf. Das Besondere dieses Grabes ist die Scheintür an der Ostseite der Wand. Statt des unteren Teils der Scheintür ist eine halb plastische Figur des Grabinhabers herausgearbeitet, die ihre Arme mit geöffneten Handflächen nach vorn streckt um das Opfer zu empfangen.
Mastaba-Grab der Königin Meresanch III. (4. Dynastie, um 2510 v. Chr., Grab-Kennnummer: G 7530)
Mitten im Gräberfeld östlich der Cheopspyramide liegt die große Mastaba der Königin Meresanch III. Sie war Tochter der Königin Hetepheres II. und des Prinzen Kawab, eines Sohnes von Pharao Cheops, und sie war königliche Gemahlin des Pharao Chephren und starb im Alter von über 50 Jahren zur Regierungszeit des Mykerinos.
Mastaba-Grab des Prinzen Chaefchufu (4. Dynastie, um 2550 v. Chr., Grab-Kennnummer: G 7130-40)
Hierbei handelt es sich um ein kleines Grab eines Königssohnes von Cheops. Das Grab besteht aus einem Vestibül und zwei Grabkammern, deren Wände mit zum Teil gut erhaltenen Reliefs verziert sind.
Der Westfriedhof
Auf dem Westfriedhof (d.h. auf der Westseite der Cheopspyramide) gibt es weitere interessante und sehenswerte Grabanlagen und Mastabas, die jedoch nur selten den Touristen zugänglich sind. Besonders hervorzuheben sind das Grab des Beamten Iasen (Ende 5. und Anfang 6. Dynastie, Grab-Kennnummer: G2196) und das Grab des Imeri (5. Dynastie, Grab-Kennnummer: G 6020) mit ihren gut erhaltenen und größtenteils noch farbigen Reliefdarstellungen. Keine Reliefs, dafür aber farbenfrohe Wandmalereien kann man in der Mastaba des Kaemanch (6. Dynastie, Grab-Kennnummer: G 2196) bewundern.
Die Königinnenpyramiden

- Königinnenpyramiden an der Mykerinospyramide
Die Pyramiden und Grabanlagen der Königinnen sind in der Regel geschlossen. Allerdings kann man sie von außen besichtigen und so einen Eindruck von ihrer Architektur bekommen. Meistens reihen sie sich wie Satellitenpyramiden um die königliche Hauptpyramide. Bei Cheops stehen sie an der Ostseite und bei Mykerinos an der Südseite. An den drei Königinnen-Pyramiden südlich der Mykerinos-Pyramide kann man unterschiedliche Bauweisen erkennen. Eine der drei Königinnen-Pyramiden hat die Form einer echten Pyramide, die beiden anderen sind dagegen Stufenpyramiden. Auffällig anders ist dagegen das Grab der Königin Chentkaus, die in der Nähe des Taltempels von Mykerinos steht. Sie hat die Form einer doppelstufigen Mastaba.
1925 wurde vom Team der Harvard-University, unter der Leitung von George Andrew Reisner, neben der Pyramide der Königin Hetepheres (östlich der Cheopspyramide) ein Schacht entdeckt, der zu einer weiteren Kammer führte. In ihr wurden zahlreiche mit Gold verzierte Grabbeigaben gefunden, die wohl mit zur Grabausstattung der Königin gehörten. Heute sind diese Grabbeigaben restauriert und können im Museum in Kairo besichtigt werden.
Auswahl weiterführender Literatur:
- Aldred, Cyril, Egypt to the end of the Old Kingdom, London 1965.
- Jánosi, Peter, Die Pyramidenanlagen der Königinnen, Wien 1995.
- Jánosi, Peter, Die Gräberwelt der Pyramidenzeit, Mainz 2006.
- Junker, Hermann, Giza. 12 Bde, Wien 1929-1955
- Lehner, Mark, The Complete Pyramids, London 1997.
- Siliotti, Alberto und Zahi Hawass, Ägyptische Pyramiden – Monumente für die Ewigkeit, Köln 2004.
- Stadelmann, Rainer, Die ägyptischen Pyramiden: vom Ziegelbau zum Weltwunder, Mainz 1991.
- Steindorff, Georg und Uvo Hölscher, Die Mastabas westlich der Cheopspyramide (hrsg. v. Alfred
- Grimm, Münchner Ägyptologische Untersuchungen 2), Frankfurt am Main 1991.
- Reisner, George Andrew, A History of the Giza Necropolis, Vol. I – II, Cambridge/ Mass. 1942-1955.

Autor dieses Artikels: Mirco Hüneburg

