Pharao Cheops

Pharao Cheops (altägyptisch „Chufu“, griechisch „Cheops“, Altes Reich, 4. Dynastie, 26. Jahrhundert v. Chr.) gehört neben Chephren und Mykerinos zu den drei Erbauern der großen Pyramiden von Giza / Giseh. Aufgrund der enormen architektonischen und organisatorischen Leistung des gigantischen Pyramidenbaus und der dafür benötigten gesellschaftlichen und staatlichen Infrastruktur und Verwaltung geht man heute größtenteils davon aus, dass zur Zeit der Pharaonen der vierten Dynastie – und insbesondere unter Snofru, Cheops und Chephren – der ägyptische Staat eine bis dahin und seitdem unerreichte Form der Zentralisierung von Macht erreichte (siehe Geschichte Ägyptens – Altes Reich).

Es gehört wohl zu den eigentümlichsten Ironien der Geschichte, dass aus gerechnet vom Bauherrn des größten Monuments des Altertums nur eine 7 cm kleine Statue erhalten geblieben ist – das einzig erhaltene Bildnis von Pharao Cheops. Die Figur steht heute im Ägyptischen Museum in Kairo (Katalognummer JE 36143). Historisch weiß man nur wenig über diesen Herrscher. Seine Mutter war die Königin Hetepheres, von der in Giza ein kleiner Grabschatz mit viereinhalbtausend Jahre altem Mobiliar entdeckt wurde. Sein Vater war der König Snofru, der Pionier des großen Pyramidenbaus mit zwei Pyramiden in Dahschur und einer in Meidum. Sein Sohn und Nachfolger war Djedefre.

Cheops’ ursprünglich rund 146 Meter hohe Pyramide in Giza (Giseh) ist das einzige der sieben Weltwunder, das heute noch existiert. Das Gebäude war über Jahrtausende das höchste und voluminöseste der Welt. Cheops’ Name war untrennbar mit dieser Bauleistung verbunden. Kaum ein anderes Bauwerk hat mehr Spekulationen, mehr Bewunderung und mehr Faszination hervorgerufen als die Cheopspyramide. (Siehe hierzu mehr m Kapitel zu den Pyramiden von Giza: Die Cheopspyramide).

Cheops in der Überlieferung

Je weniger man über eine Persönlichkeit weiß, desto mehr öffnet sich der Raum für Spekulationen. Dass ausgerechnet über den Erbauer der größten Pyramide so wenig historische Details überliefert sind, nährte das Bedürfnis, Wissenslücken mit Gerüchten und Anekdoten zu füllen. Inwiefern historische Anekdoten glaubwürdig sind, mag dahingestellt sein. Manche Geschichten klingen wild und abstrus. Zu den seit zweitausend Jahren am häufigsten gelesenen Anekdoten und Gerüchten über Cheops zählen die Berichte von dem griechischen Gelehrten und Historienschreiber Herodot (Buch II, Kapitel 124 ff.). Er schrieb unter anderem

„Aber sein Nachfolger Cheops hat das Land ins tiefste Unglück gestürzt. Zunächst hat er alle Heiligtümer zuschließen lassen und das Opfern verhindert. Weiter hat er alle Ägypter gezwungen, für ihn zu arbeiten. Die einen mußten aus den Steinbrüchen im arabischen Gebirge Steinblöcke bis an den Nil schleifen. Über den Strom wurden sie auf Schiffe gesetzt, und andere mußten die Steine weiterziehen bis hin zu den sogenannten libyschen Bergen. Hunderttausende Menschen waren es, die daran arbeiteten und alle drei Monate abgelöst wurden. So wurde ein Volk bedrückt, und es dauerte zehn Jahre, ehe nur die Straße gebaut war, auf der Steine dahingeschleift wurden, ein Werk, das mir fast ebenso gewaltig scheint, wie der Bau der Pyramide selber. Denn die Straße ist fünf Stadien lang, zehn Klafter breit, an der höchsten Stelle acht Klafter hoch und aus geglätteten Steinen hergestellt, in die Tiergestalten eingemeißelt sind. Zehn Jahre vergingen also, bis die Straße und die unterirdischen Kammern auf jener Höhe, auf der die Pyramiden stehen, gebaut waren. Die Kammern sollten seine Grabkammern sein, und er baute sie als Inseln, indem er einen Nilkanal in den Berg hineinleitete. An der Pyramide selber wurde zwanzig Jahre gebaut. Sie ist vierseitig und jede Seite acht Plethren breit und ebenso hoch. Sie besteht aus geglätteten, aufs genaueste ineinander gefügten Steinen, von denen jeder mindestens dreißig Fuß lang ist.“ (Zitat, Übersetzung von A. Horneffer, Herodot Historien, Stuttgart 1971, S. 153 f.)

Die Zahlenangaben und viele Details mögen strittig oder unglaubwürdig sein. Doch Herodots Bericht zeigt, wie sehr die Menschen noch Jahrtausende später über die Geschichte des Bauwerks und seinen Baumeister rätselten. Nach einer Erklärung zur Bauweise der Pyramiden fährt Herodot mit einer Beschreibung der Persönlichkeit des Cheops und wilden Gerüchten um dessen Familienleben fort (Herodot II, 126):

„Cheops war ein so verruchter Mensch, dass er in seiner Geldnot die eigene Tochter in ein Freudenhaus brachte und ihr eine bestimmte Geldsumme – wie viel, sagten die Priester mir nicht – zu schaffen befahl. Sie brachte die verlangte Summe zusammen und fasste auch den Entschluß, ebenfalls ein Denkmal für sich zu errichten. Jeden Mann, der sie besuchte, bat sie, ihr einen Stein für den großen Bau zu schenken. Aus diesen Steinen soll sie die mittlere der drei Pyramiden haben bauen lassen, die vor der großen Pyramide steht und deren Seite anderthalb Plethren misst.“ (Zitat, Übersetzung von A. Horneffer, Herodot Historien, Stuttgart 1971, S. 154 f.)

Die Geschichte um die Tochter des Cheops scheint in das Feld der Sagen und Mythen zu gehören. Jedenfalls sind keine anderen Quellen hierzu zu finden. Die tendenziösen und überwiegend negativen Schilderungen bei Herodot und anderen Autoren der Antike werden noch übertroffen von Erzählungen in der arabischen Literatur des Mittelalters, wobei dort vollends die Grenzen zum Märchen überschritten wurden. Anders als all diese negativen Überlieferungen spricht die Tatsache, dass es bis in die griechisch-römische Zeit einen Totenkult des Cheops gegeben hat, dafür, dass er durchaus auch positiv erinnert wurde.

Auswahl weiterführender Literatur

  • Aldred, Cyril, Egypt to the end of the Old Kingdom, London 1965.
  • Beckerath, Jürgen v., „Cheops“, in: Lexikon der Ägyptologie, Band I, Wiesbaden 1973, Sp. 932 f.
  • Gardiner, Alan, Egypt of the Pharaohs, Oxford 1964.
  • Goyon, Georges, Die Cheops-Pyramide, Bergisch-Gladbach 1979.
  • Gundlach, Rolf, Der Pharao und sein Staat: die Grundlegung der ägyptischen Königsideologie im 4. und 3. Jahrtausend, Darmstadt 1998.
  • Haase, Michael, Das Rätsel des Cheops, München 1998.
  • Haase, Michael, Das Vermächtnis des Cheops: die Geschichte der großen Pyramide, München 2003.
  • Lehner, Mark, The Complete Pyramids, London 1997.
  • Schneider Thomas, Lexikon der Pharaonen: die altägyptischen Könige von der Frühzeit bis zur Römerherrschaft, Zürich 1994.
  • Stadelmann, Rainer, Die ägyptischen Pyramiden: vom Ziegelbau zum Weltwunder, Mainz 1991.
  • Verner, Miroslav, Die Pyramiden, Reinbek bei Hamburg 1999.

Autor dieses Artikels: Mirco Hüneburg