Luxor Tempel (2)
Großer Säulengang
Von Amenophis III. und Tutanchamun stammt der prächtige Säulengang, der heute den Hof Ramses’ II. mit dem südlichen Tempelbereich verbindet. Insgesamt 14 Säulen, d.h. 7 zu jeder Seite, flankieren den monumentalen Gang. Die 16 m hohen Säulen mit offenen Papyrus-Kapitellen tragen noch heute die schweren Architrave. Vermutlich war der Gang ursprünglich als Mitte einer großen mehrschiffigen Säulenhalle geplant, vielleicht war er auch nur als kioskartiger Vorbau des alten Tempelbereichs gedacht. Die Dekorationen dieses Bereichs stammen nicht nur von Amenophis III., sondern auch von Tutanchamun, Haremhab, Sethos I., Ramses II. und Sethos II. An den Wänden sind unter anderem Reliefdarstellungen des Opet-Festes zu sehen.
Säulenhof von Amenophis III. und Vorhalle
Der zweite, große Hof des Luxor-Tempels stammt von Amenophis III. Er hat eine Grundfläche von rund 46 mal 52 Metern und ist an drei Seiten von einer doppelten Säulenkolonnade aus Papyrusbündelsäulen mit geschlossenen Doldenkapitellen umgeben. Dieser Kolonnadenhof geht im Süden in eine Vorhalle mit 32 Säulen über. Obwohl die Halle unter Amenophis III. errichtet wurde, finden sich an den Schäften der Säulen auch die Namenskartuschen von Sethos I., Ramses II., Ramses IV. und Ramses VI. wieder.
Im westlichen Bereich des Säulenhofes wurde 1989 unter der Erde ein großes Statuenversteck entdeckt und von einem ägyptischen Archäologenteam ausgegraben. Zum Vorschein kamen sechsundzwanzig Götter- und Königsstatuen in zum Teil hervorragenden Erhaltungszustand. Eine ähnliche Statuencachette wurde übrigens auch in Karnak zwischen dem siebten Pylon und der Nord-Süd-Achse gefunden.
Hinterer Bereich des Tempels
An den Hof von Amenophis III. und die Säulenvorhalle schließen sich nach Süden hin in axialer Gliederung die Zentralräume des Heiligtums mitsamt ihren Seitenkammern an. Zunächst gelangt man in einen Saal, der zur römischen Zeit in einem Raum für den Kaiserkult des Diokletian, später zu einer christlichen Kirche umfunktioniert wurde. Auf diesen Saal folgt das Barkensanktuarium für die Barkensänfte des Amun. Dieser Raum stammte, wie alle umliegenden Räume, ursprünglich von Amenophis III., wurde aber unter Alexander dem Großen umgebaut, der eine gesonderte Kapelle für die Barke errichten ließ.
Durch eine Tür in der östlichen Wand und dann durch eine weitere zur linken (nördlichen) Seite gelangt man in einen Raum, der für den pharaonischen Königskult von besonderer Bedeutung war: dem Geburtssaal. Hier wurde alljährlich die Wiederholung der göttlichen Geburt des Königs zelebriert, vergleichbar der allweihnachtlichen Geburtsfeier Jesu Christi. Die Reliefs an der westlichen Wand geben Aufschluss über die ägyptischen Vorstellungen zur göttlichen Herkunft Pharaos.
Man sieht im unteren Register von links nach rechts wie der Schöpfergott Chnum den König Amenophis III. und dessen Ka auf einer Töpferscheibe formt, dann, im nächsten Bild, Chnum in Gesellschaft des Gottes Amun, dann Amun bei der künftigen Königsmutter, anschließend Amun und Thot und schließlich Isis mit der Königsmutter. Im mittleren Register wird zunächst der Königsmutter die Geburt des göttlichen Sohnes verkündet, dann wird in der Bildfolge unter anderem die Geburt des Königskindes und schließlich die Annahme des Sohnes durch den göttlichen Königsvater Amun geschildert. Im oberen Register wird der göttliche Werdegang Amenophis’ III. vom jugendlichen Kinde bis hin zum Königsamt dargestellt.
Auswahl weiterführender Literatur:
- Arnold, Dieter, Lexikon der ägyptischen Baukunst, Zürich und München 1994.
- Arnold, Dieter, Die Tempel Ägyptens. Götterwohnungen, Baudenkmäler, Kultstätten, Zürich 1992.
- Brunner, Helmut, Die südlichen Räume des Luxor-Tempels, Mainz 1977.
- Donadoni, Sergio: Theben, Heilige Stadt der Pharaonen, München 2000.
- El-Saghir, Mohammed, Das Statuenversteck im Luxortempel, Antike Welt Sonderheft 22, Mainz 1991.
- El-Sharkawy, Ali, Der Amun-Tempel von Karnak. Die Funktion der Großen Säulenhalle, Berlin 1997.
- Otto, Eberhard, Osiris und Amun. Kult und heilige Stätten, München 1966.
- Siliotti, Alberto, Luxor, Karnak and the Theban Temples, Kairo und New York 2002.
- Wilkinson, Richard H, Die Welt der Tempel im alten Ägypten, Stuttgart 2005.
Autor dieses Artikels: Mirco Hüneburg


