Der Luxor-Tempel - Einführung

Eingangspylon Luxor-Tempel
Eingangspylon am Luxor-Tempel

Neben den Tempelanlagen von Karnak gehört der mitten in der Stadt am Nilufer gelegene Luxor-Tempel zu den bedeutendsten Heiligtümern aus dem alten Ägypten. Kultisch und organisatorisch war er mit der nur zweieinhalb Kilometer entfernten Tempelstadt von Karnak verbunden. Zwischen Karnak und Luxor verlief eine schnurgerade Sphinxallee, die heute an ihren Enden rekonstruiert ist. Die Stadtverwaltung von Luxor zieht in Erwägung, die Allee vollständig wieder zu errichten, um den Touristen als Flaniermeile zu dienen, allerdings stößt dieses Programm auf den Widerstand der Stadtbevölkerung, die mit ihren Häusern, Moscheen und koptischen Kirchen entlang der Achse weichen müsste.

Die Tempelanlage geht hauptsächlich auf zwei Bauherren zurück: auf Amenophis III. (18. Dynastie) und Ramses II. (19. Dynastie). Allerdings scheint es schon Vorgängerbauten aus der Zeit der Hatschepsut, ja sogar aus dem Mittleren Reich gegeben haben.
 
Der Tempel hat eine Gesamtlänge von über 250 m und unterstreicht mit seinem Grundriss die Idee eines Festtempels – einer Kulisse für den Weg der Gottheit bei den großen Prozessionen, insbesondere beim Opet-Fest, aber auch beim Dekaden-Fest und dem Tal-Fest. Hierbei diente der Tempel als Stationsheiligtum für den Amun von Karnak, seiner göttlichen Gemahlin Mut und dem Götterkinde Chons, deren Barkensänften in einem dreigliedrigen Sanktuarium hinter dem Frontpylon von Luxor abgestellt wurden. Die Barke des Amun wurde schließlich weiter in den hinteren Bereich des Tempels getragen und dort in einem zentralen Barkensanktuarium abgestellt. In den Seitenräumen wurden dann geheime Riten abgehalten. Es ging um Themen der kultischen Welterneuerung, d.h. der zyklischen Wiederholung der kosmischen Schöpfung, um die Erneuerung der göttlichen Geburt des Königs und um die Vereinigung des Pharaos mit seinem göttlichen Ka, d.h. seiner göttlichen Seelengestalt.

In römischer Zeit wurde der Tempel in ein Militärkastell umgewandelt. Aus frühchristlicher Zeit sind noch Reste von kleinen Kirchen erkennbar, die in und neben den Tempelanlagen mit römischen Spolien errichtet worden waren, aber dann selbst zerstört wurden. Hinter dem Pylon befindet sich eine mittelalterliche Moschee, die im Mittelalter auf einem erhöhten Bodenniveau errichtet worden war, als der Tempel schon halb vom Wüstensand zugeweht war. So vereinen sich hier sichtbar die Spuren der drei großen, historischen Phasen Ägyptens: dem alten Ägypten der Pharaonen, dem christlich-koptischen Ägypten und dem islamischen Ägypten.

Der Luxor-Tempel ist abends illuminiert und kann daher auch nach Sonnenuntergang bis 21 Uhr besichtigt werden.

Luxor-Tempel mit Moschee und im Vordergrund Säulenreste einer Kirche
Luxor-Tempel mit Moschee und im Vordergrund Säulenreste einer Kirche
Barkensanktuar der Hatschepsut hinter dem Pylon und Moschee
Barkensanktuar der Hatschepsut hinter dem Pylon und Moschee

Autor dieses Artikels: Mirco Hüneburg