Sunniten-Führer Tantawi in Kairo gestorben
Der Islam trauert um eine seiner größten Persönlichkeiten, die nicht nur einer der wichtigsten geistlichen Führer der Religion war, sondern auch als diplomatische Verbindung zwischen Islam und Christentum war. Scheich Mohammed Sayed Tantawi ist gestern im Alter von 81 Jahren in Riad (Saudi-Arabien) gestorben. Tantawi war seit dem Jahr 1996 Vorsitzender der weltbekannten Al Azhar-Universität in Kairo und damit auch das Oberhaupt der Sunniten. Mehrere Medien in Ägypten berichten übereinstimmend davon, dass Tantawi an den Folgen eines Herzinfarkts gestorben sei.
Der Tod Tantawis löste über die Grenzen von Ägypten und des Islams hinaus Bestürzung und Trauer aus. Wie der Vatikan in einer Stellungnahme mitteilt, habe das Christentum einen Freund und wichtigen Ansprechpartner auf Seiten des Islams verloren. Kardinal Jean-Louis Tauran, Vorsitzender des Päpstlichen Rates für Interreligiösen Dialog, lobte Scheich Mohammed Sayed Tantawi in dem Nachruf als einen "Mann des Friedens und des Dialogs". Im jährlichen Wechsel trafen sich Kardinal Tauran und Scheich Tantawi in Rom und Kairo mindestens einmal zu einem Austausch zwischen Christentum und Islam.
Als geistlicher Führer der Sunniten, einer Gruppierung innerhalb des Islams, genoss Tantawi bei den Anhängern dieser Glaubensrichtung eine ähnliche Autorität wie der Papst bei den katholischen Christen. Über einen Nachfolger an der Al Azhar-Universität in Kairo und als geistlicher Führer der Sunniten sowie die Zukunft des Dialogs zwischen Islam und Christentum wurde bisher noch nichts bekannt.