Minarett-Verbot in Ägypten ohne Konfliktpotenzial
Die in Ägypten lebenden Anhänger des Islams haben das künftige Verbot für den Bau von Minaretten in der Schweiz mit relativer Gleichgültigkeit zur Kenntnis genommen. Auch einige Zeit nach dem entsprechenden Urteil aus der Schweiz seien weder in Kairo noch in anderen Großstädten Berichte über Demonstrationen, Proteste oder Übergriffe auf Christen oder andere Religionsgruppen bekannt geworden. Das bestätigte inzwischen Joachim Schroedel, der sich als Seelsorger um deutschsprachige, katholische Christen kümmert, die in Ägypten leben.
Das Interview, das Schroedel der weltweit operierenden Hilfsorganisation "Kirche in Not" in diesem Zusammenhang gab, bestätigte einmal mehr, dass der Islam in Ägypten zum weit überwiegenden Teil als eine friedliebende Religion praktiziert wird, als welche sich der Islam grundsätzlich selbst versteht. Ägypten gilt im arabischen Raum ohnehin als das Land, dem die größte Nähe zum Westen nachgesagt wird, was sowohl für die Regierung in Kairo als auch die Bevölkerung im ganzen Land gilt. Nicht zuletzt aus diesem Grund können christliche Einwohner oder Touristen ihre Religion in Ägypten vergleichsweise offen ausüben.
Aus eigener Erfahrung kann Schroedel sogar davon berichten, dass sich die Moslems in Ägypten erstaunlich offen zeigten, wenn es um religiöse Debatten im Alltag gehe, auch wenn dabei stets die gegenseitigen Grenzen zu akzeptieren seien. Ägyptens Gesellschaft habe auch in der Vergangenheit bei ähnlichen Entscheidungen gelassen reagiert, so Schroedel, der dabei an das Kopftuch-Verbot erinnerte.